Eschweiler
15.06.2009, 18:00
bis 26.06.2009
Ausstellung:
HOLODOMOR
Ein unbekanntes Kapitel ukrainischer Geschichte
Foyer des Eschweiler Rathauses
Johannes-Rau-Platz 1
52249
Eschweiler
Nordrhein-Westfalen
Beschreibung:
Erst aßen sie Baumblätter, dann Hunde und Katzen…
Der HOLODOMOR ist eine in Deutschland unbekannte Seite der ukrainischen Geschichte.
Die Bezeichnung HOLODOMOR besteht aus den beiden ukrainischen Worten: HOLOD (Hunger, Hungern, Hungersnot) und MORYTY (Leid veranlassen, Tötung, Vernichtung)
Wenige in Deutschland wissen etwas über die schrecklichen Ereignisse 1932-33 in der Ukraine. Der Begriff bezeichnet die in der Ukraine (aber auch in Russland und Kasachstan) systematisch organisierte und militärisch praktizierte Vernichtung von unliebsamen Regionalbevölkerungsgruppen durch Plünderung und Entzug der spärlichen Lebensmittel in Form von Brot oder Futtergetreide.
Das Grauen steckt auch noch nach über 75 Jahren in der Erinnerung der Opfer. Der ungarische Historiker Miklos Kun weiß das: „Das kollektive Gedächtnis kann nicht zerstört werden. Es war eine bewusst und systematisch durchgeführte Ermordung von Millionen Menschen, während Stalin am Schwarzen Meer Urlaub machte.“
Dokumente aus dem ukrainischen Archiv belegen, worauf viele Historiker und Überlebende seit Jahren hingewiesen haben. Die Hungersnot wurde von Stalins Regime aus Moskau regelrecht organisiert und von lokalen Aktivisten— gekauften armen Ukrainern —ausgeführt, um den Widerstand der ukrainischen Bauern gegen die Zwangskollektivierung und drohende Enteignung zu brechen. Unter Stalin galt der Ukrainer „als Feind der Sowjetunion“, der das sowjetische „Gemeingut“ verschwendete. Die Zahl der Toten wird auf sieben Millionen geschätzt – drei Millionen davon waren Kinder.
Die EU hat sich durch die zielgerichtete Kooperation mit Reformstaaten in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Reformbegleiter entwickelt. Das zurückliegende Jahrzehnt war eine Erfolgsgeschichte der Erweiterung, verbunden mit der gleichzeitigen Vertiefung der europäischen Integration. Um die Entwicklung in Drittstaaten zu stabilisieren, hat sie durch das Angebot von Beitrittsperspektiven die entschiedenen Leitlinien für Reformen gesetzt. Die Ukraine ist Teil der im März 2004 von der Europäischen Kommission verabschiedeten Strategie "Großes Europa - Nachbarschaft". Am 9. September 2008 haben die Ukraine und die EU in Paris die Vereinbarung für ein Assoziierungsabkommen getroffen. Im Gegensatz zum Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) gilt das Abkommen allerdings nicht zwingend als erster Schritt zu einem EU-Beitritt.
Die Ukraine gehört zur europäischen „Familie“. Wenn wir wissen wollen, was sich heute in der Ukraine tut, dann müssen wir uns neben anderen Themen auch mit dem HOLODOMOR befassen. In diesem Kontext präsentieren wir vom 15.– 26. Juni 2009 die Ausstellung in Eschweiler.
Die Ausstellung ist nicht zuletzt dadurch zustande gekommen, dass Jahrzehntelang dieser Horror totgeschwiegen wurde. Der „Hungerholocaust“ - wie Überlebende die Not bezeichnen — war tabu.
Mit der Präsentation dieser Ausstellung verbinden wir weniger die politischen Aspekte, die natürlich auch beleuchtet werden, es geht uns auch weniger um die Einschätzung als Genozid, Demozid oder Soziozid, vielmehr geht es uns um die moralische Verantwortung und um den Versuch, sich mit der europäischen Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Eines ist HOLODOMOR ganz gewiss, eine Verkettung von Folgen und Nebenfolgen äußerst rücksichtsloser und brutaler Politik der Zwangskollektivierung, Herrschaftskonsolidierung und Widerstandsunterdrückung sowie zusätzlich hinzukommender wetterbedingter Ernteausfälle.
HOLODOMOR gehört als Warnung in die europäische Geschichtsschreibung.
Die Ausstellung wird am 15. Juni 2009 im Foyer des Eschweiler Rathauses um 18.00 Uhr eröffnet.
- Kategorie:
- Kultur/Medien/Musik
- Veranstalter:
- GesellschaftsPolitische Bildungsgemeinschaft e.V. Europaverein
- Ansprechpartner:
- Peter Schöner, gpb(at)gpb-europaverein.de
- Telefonnummer des Veranstalters:
- 02403 - 36106
- Weitere Informationen:
- www.gpb-europaverein.de
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