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Berlin-Mitte
29.04.2010, 18:00 bis 20:00

Vortrag:
Der Goldschatz von Nagyszentmiklós (Sinnicolau Mare im heutigen Rumänien)

Dr. Péter Prohaszka berichtet über die neusten archäologischen und kunsthistorischen Forschungsergebnisse eines der bedeutendsten Schatzfunde aus dem frühen Mittelalter

Neues Stadthaus, Raum 125
Parochialstr. 3
10179 Berlin-Mitte
Berlin Brandenburg

Beschreibung:

 

Mit seinem auf deutsch gehaltenen Vortrag nennt der Referent Dr. Prohászka den 1799 ans Tageslicht geholten Goldschatz, bestehend aus 23 Goldgefäßen mit einem Gesamtgewicht von rund zehn Kilogramm, bewusst - und keinesfalls nur aus geographischen Gründen - einen Schatzfund zwischen Steppe und Byzanz und stellt damit die Verbindung zu den beiden Einflussgebieten her, die neben Rom vor über eintausend Jahren die Kultur in Osteuropa und im östlichen Mitteleuropa geprägt haben. Der Umfang und das Gewicht des Fundes, noch mehr über den reinen Goldwert hinaus die prächtigen Schmiedearbeiten und die Schönheit der Einzelstücke ließen das Ensemble verschiedener Goldgefäße sensationsheischend Attila zugeschrieben werden; zu sehr legte diesen Schluss der Fundort nahe, den der byzantinische Gesandte Priskos am Hofe Attilas einst beschrieben hatte.

Rund zehn Dutzend Arbeiten haben sich in zweihundert Jahren mit dem Schatzfund, seiner Einordnung, seinen archäologischen und kunsthistorischen Analysen befasst und eine Zuordnung versucht, wobei lange eine altbulgarische Provenienz favorisiert wurde. Wahrscheinlich im 7./8. Jahrhundert und damit etwa 300 Jahre früher als lange Zeit angenommen, in jedem Fall aber nach Attilas Herrschaft entstanden, wenn auch sicher einer hochrangigen Adelsfamilie zugehörig, lokalisiert man heute die Region seines Entstehens durch die Hand meisterhafter Künstler an der Grenze zwischen Asien und Europa, also in einem von den Steppenkulturen beeinflussten awarisch-magyarisch-bulgarischen Kulturkreis. Die Goldschmiede, die die einzelnen, in ihrer Entstehungszeit über mehrere Jahrzehnte reichenden Stücke schufen, beherrschten die Formensprache verschiedener Kulturen und ihrer jeweiligen Weiterentwicklungen. Der Schatz ist damit ohne Zweifel eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Völkerwanderungszeit und in Folge der Völkerwanderungen aus seinem Herstellungsgebiet in das Karpatenbecken gelangt - wenn er den Forschern auch trotz der vielen Forschungsarbeiten noch immer manche Rätsel aufgibt.

Der Vortrag möchte durch Herausarbeiten zahlreicher Vergleiche und Parallelen Einblick in die neuesten Ergebnisse der Erforschung des Schatzfundes bieten und die Anstöße und Bereicherungen für die Entwicklung europäischer Kulturen aus den Steppenkulturen darlegen.

Es referiert Dr. Péter Prohászka, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ungarischen Nationalmuseum (Budapest) und am Kuny Domokos Museum (Tata), Lehrbeauftragter an der Budapester ELTE, Träger des István-Hahn-Preises (2005); Moderation: Dr. Orsolya Heinrich-Tamáska, Archäologin, GWZO an der Universität Leipzig, Lehrbeauftragte an verschiedenen deutschen und ungarischen Universitäten.

Anmeldung nicht erforderlich.

 

Kategorie:
Kultur/Medien/Musik
Veranstalter:
Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG), Sitz Berlin
Ansprechpartner:
Klaus Rettel, Präsident der DUG, info(at)d-u-g.org
Telefonnummer des Veranstalters:
030 - 242 45 73
Zielgruppe:
Kunsthistoriker, Historiker, Hungarologen
Teilnehmerbeitrag:
kostenfrei
Weitere Informationen:
www.d-u-g.org

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