Leipzig
13.05.2011, 19:00
bis 21:00
Lesung:
BUCHVORSTELLUNG "Mein verspieltes Land. Ungarn im Umbruch"
Der Autor Prof. Paul LENDVAI stellt sein Buch in einer moderierten Diskussionveranstaltung vor
Schaubühne Lindenfels, Grüner Salon
Karl-Heine-Str. 50
04229
Leipzig
Sachsen
Beschreibung:
Mit der Moderation von Frau Prof. (em.) Dr. Mária HUBER (bis 2008 am Institut für Politikwissenschaften der Universität Leipzig tätig; ihre Arbeitsschwerpunkte waren 'Systemtransformation', 'Ost-West-Beziehungen', 'Außen- und Sicherheitspolitik der ostmittel- und osteuropäischen Staaten') stellt der Autor Prof. Paul LENDVAI sein im letzten Herbst erschienenes Buch "Mein verspieltes Land" vor, liest daraus und bittet zur Diskussion darüber. Veranstalter sind die Heinrich-Böll-Stiftung - Landesstiftung Sachsen e. V. - als federführender Organisator in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft e. V. (DUG), Sitz Berlin, und dem Historischen Seminar - Abt. Ost- und Südosteuropäische Geschichte - im GWZ (Geisteswissenschaftlichen Zentrum) der Universität Leipzig. - - Zum Autor: Der 1929 in Budapest geborene Publizist Prof. Paul Lendvai lebt seit 1957 in Wien und erwarb später die österreichische Staatsbürgerschaft. Er ist Chefredakteur der von ihm begründeten "Europäischen Rundschau", Leiter des "ORF-Europastudios", Kolumnist für die Wiener Tageszeitung "Der Standard" und Autor von 14, auch in verschiedene Fremdsprachen übersetzten erfolgreichen Sachbüchern. Zwischen 1960 und 1982 war er Wiener Korrespondent der "Financial Times" (London), von 1982 bis 1987 Chefredakteur der Osteuropa-Redaktion des Österreichischen Rundfunks und Fernsehens (ORF) und von 1987 bis 1998 Intendant von "Radio Österreich International". - - Zum Buch "Mein verspieltes Land": In seinem Buch – fälschlich in der öffentlichen Wahrnehmung aus Aktualitätsgründen auf das kurze letzte Kapitel und damit auf die neue Regierung unter Viktor Orbán reduziert – zeichnet Prof. Lendvai die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen Ungarns im XX. Jahrhundert – vor allem seit dem Systemwechsel – bis in unser jetziges Jahrzehnt nach und widmet sich dabei der Rolle der jeweiligen, in ihrem Handeln von ihm massiv kritisierten Regierungen in der Transformationszeit. Einst ein bewunderter Schrittmacher innerhalb der ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten auf dem Wege in die westeuropäischen politischen Strukturen wie NATO und EU, hat Ungarn – auch bedingt durch die letzte Weltwirtschafts- und Finanzkrise – vieles von seiner Vorreiterrolle verloren, ja mußte sogar erleben, daß einige seiner wirtschaftlichen Konkurrenten in der ostmitteleuropäischen Region an ihm vorbeigezogen sind und seine selbst reklamierte führende Rolle im Karpatenbecken – zumindest erst einmal – angekratzt haben. Hinzu kommen innenpolitische Entwicklungen, die bei den im April 2010 abgehaltenen Parlamentswahlen zum desaströsen Untergang der acht Jahre amtierenden Regierungskoalition aus Sozialisten (MSzP) und Liberalen (SzDSz) führten (im Falle des SzDSz sogar zum Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde und dem Ausscheiden aus Ungarns Parlament): Der im Bündnis mit der konservativen und nationalbetonten christlich-demokratischen KDNP aus der Opposition aufsteigende FIDESZ erzielte nicht nur 52,7 Prozent der Stimmen, sondern sogar mehr als eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Sitze im Parlament. - - Dieses Wahlergebnis wurde vom neuen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu einer "Revolution an den Wahlurnen" erklärt und daraus der Auftrag abgeleitet, mit einem nationalbetonten, magyar-zentrierten, rechtspopulistischen Kurs die tiefgreifende Umgestaltung des Staates in Angriff zu nehmen; mit der Zeitvorgabe von etwa 15 bis 20 Jahren soll Ungarn unumkehrbar so umgeformt werden, daß es danach keiner Regierung mehr gelingen kann, in die Zeiten des Sozialismus zurückzufallen, oder den – durch eine jeden Ungarn zum Stolz verpflichtende eintausendjährige ungarische Geschichte vorgegebenen – magyarischen Primat bei jedweden Entscheidungen zu vernachlässigen. - - Die auf drei Fraktionen zersplittert Opposition – bestehend aus den zuvor regierenden Sozialisten (MSzP) und den neuen parlamentarischen Vertretungen der nur geringfügig kleineren rechtsradikalen JOBBIK-Partei und der bürgerlich-intellektuell-umweltschützenen LMP (Eine andere Politik ist möglich) – ist in ihrer diametralen Heterogenität nicht in der Lage, um zum Regierungslager mit seiner verfassungsändernden Mehrheit überhaupt so etwas wie ein geschlossen-kraftvolles Gegengewicht darzustellen. - - Neben der Auseinandersetzung mit dem Inhalt des vom Autor im letzten Sommer abgeschlossenen Buches dürfte deshalb von besonderem Interesse sein, seine Beurteilung der seitdem eingetretenen ungarischen Entwicklung kennenzulernen. Dazu gehört sicherlich auch die eine Woche vor Ostern vom Parlament verabschiedete Verfassung, die Ungarns Staatspräsident am zweiten Osterfeiertag unterzeichnete: Der Tag der Unterzeichnung erinnert nicht nur an den Wahlsieg des FIDESZ auf das Datum genau ein Jahr zuvor, es spielt nach jüngsten Stellungnahmen aus dem Regierungslager auch auf den christlichen Sinn des Osterfestes an, nämlich die denkwürdig-wundersame Auferstehung, und zwar in Form der jetzt dekretierten (Wieder-)Auferstehung/Wiederbelebung der ungarischen Nation nach Jahrzehnten der kommunistischen Unterdrückung und nach der dann folgenden Übergangszeit mit ihren Wirrungen und Irrungen infolge der Transformation.
- Kategorie:
- Politik
- Veranstalter:
- Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V. mit DUG (Berlin), Historisches Seminar im GWZ (Uni Leipzig)
- Ansprechpartner:
- Stefan SCHÖNFELDER (H.-Böll-Stiftung), Klaus RETTEL (DUG)
- Anmeldung bis:
- entf.
- E-Mail / Fax für Anmeldungen:
- entf.
- Telefonnummer des Veranstalters:
- 0351-49 43 311
- Zielgruppe:
- Politikwissenschaftler, Historiker, Hungarologen
- Teilnehmerbeitrag:
- entf.
- Weitere Informationen:
- www.weiterdenken.de
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