Berlin-Mitte
08.02.2010, 18:00
bis 20:00
Vortrag:
Begegnung im Gedächtnis. Der Nullpunkt der Geschichte in der Prosa von Imre Kertész und in der Lyrik von János Pilinszky
Der ungarische Literaturwissenschaftler Dr. MÁRTONFFY würdigt das vom KZ-Kerker als Nullpunkt der Geschichte und als Nullpunkt jeglicher menschlichen Existenz geprägte literarische Schaffen seiner
Raum 107 im Neuen Stadthaus
Parochialstr. 3
10179
Berlin-Mitte
Berlin Brandenburg
Beschreibung:
Dr. Mártonffy geht den durch einen jeweils einjährigen KZ-Aufenthalt verbundenen Lebensläufen zweier bedeutender ungarischer Literaten nach und untersucht ihr Gesamtwerk, das von dieser Kerkerzeit als Nullpunkt jeglicher Geschichte, aber auch als Nullpunkt jeglicher menschlichen Existenz geprägt ist. Beide waren jedweden Menschseins beraubt, aus ihrem Menschsein in die Einsamkeit vertrieben. In dieser Zeit einer "Null-Existenz" warteten Imre Kertész und János Pilinszky gleichsam in einer nach der Zerstörung der Kultur entleerten Ewigkeit. - - - Imre Kertész (* 09. November 1929 in Budapest) wurde als ungarischer Jude 1944 in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald verschleppt. Er wurde am 11. April 1945 befreit. Diese Zeit der Verfolgung verarbeitete Kertész u. a. in dem 1975 in Ungarn veröffentlichten Roman "Sorstalanság" (später auf deutsch: Roman eines Schicksallosen), dessen autobiographische Romanform ihm die Auseinandersetzung mit seiner Identität zwischen Tod und Leben erlaubt: "Meine einzige Identität ist die des Schreibens". Seit dem Jahre 2000 hauptsächlich in Berlin lebend, erhielt er 2002 den Nobelpreis für Literatur.
János Pilinszky (* 27. November 1921 in Budapest; † 27. Mai 1981 ebenda), Katholik, wurde als ungarischer Soldat von NS-Truppen nach Österreich und Deutschland verschleppt und durch mehrere Lager geschleust. Nach der Befreiung erschien 1946 eine erste Sammlung von Gedichten; sie galten sofort als eine literarische Sensation in Ungarn. Seine in der Folgezeit veröffentlichte Lyrik, wenn auch von geringem Umfang, veranlaßte namhafte Literaten, Pilinszky als den damals bedeutendsten lebenden ungarischen Schriftsteller zu bezeichnen. Zwischen 1971 und 1974 kulminierte sein Schaffen in 97 Gedichten. Sie alle versuchen vor dem Hintergrund seiner KZ-Erfahrung, als eines vom Faschismus in die Einsamkeit Gestoßenen, die Antwort auf die "apokalyptische Stille" nach den Greuel. Welches Wort ist in diesem Augenblick angemessen? Die Sprachlosigkeit, mit der Pilinszky darauf reagiert, ist nur eine Verweigerung des Sprechens, nicht die des Schreibens. Es ist die Stummheit künstlerischer Integrität "nach Auschwitz" (Ted Hughes).
Für diesen Abend konnte aus Budapest Dr. habil. Marcel MÁRTONFFY gewonnen werden, der als einer der besten ungarischen Kenner und Analytiker des Kertész'schen Werkes gilt. Er ist Hochschullehrer für Literaturgeschichte an der Kodolányi János Hochschule in Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) sowie an der deutschsprachigen Andrássy Gyula Universität in Budapest. Die DUG gedenkt mit Mártonffys Beitrag des sich in Kürze zum 65. Male jährenden Tages der Befreiung ihres Ehrenmitglieds Imre Kertész aus dem Konzentrationslager.
- Kategorie:
- Kultur/Medien/Musik
- Veranstalter:
- Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG), Sitz Berlin
- Ansprechpartner:
- Klaus Rettel, Präsident der DUG
- Anmeldung bis:
- entf.
- E-Mail / Fax für Anmeldungen:
- entf.
- Telefonnummer des Veranstalters:
- 030-242 45 73
- Zielgruppe:
- Literaturinteressierte, Hungarologen
- Teilnehmerbeitrag:
- entf.
- Weitere Informationen:
- http://
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