München
24.06.2010, 19:00
Kulturprogramm:
Bilder wachsen aus Rauch und Traum und Flamme
Ein literarisch-musikalisches Portrait anässlich des 80. Geburtstags und 20. Todestags von Horst Bienek | Mit Oskar Ansull, Sprecher, und Theo Jörgensmann, Klarinette
Haus des Deutschen Ostens
Am Lilienberg 5
81669
München
Bayern
Beschreibung:
Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Rahmen des Jubiläums »Erinnern und Entdecken – zehn Jahrestage | zehn Veranstaltungen«. Unter diesem Motto begeht das Deutsche Kulturforum östliches Europa im Jahr 2010 sein zehnjähriges Bestehen mit einem Veranstaltungsreigen zu zehn ganz unterschiedlichen Jahres- und Gedenktagen | in Zusammenarbeit mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek | Niedersächsische Landesbibliothek, Hannover, dem Haus des Deutschen Ostens, München, und dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, Gleiwitz/Gliwice (Polen).
Zum 80. Geburtstag und 20. Todestag von Horst Bienek (geboren am 7. Mai 1930 in Gleiwitz, Oberschlesien; gestorben am 7. Dezember 1990 in München) erinnert diese Veranstaltung an den Dichter der berühmt gewordenen Gleiwitzer-Romane (die erste polka, septemberlicht, zeit ohne glocken und erde und feuer). Bienek ist mit ihnen fast zu einem Synonym für die »auf immer verlorene Provinz« Oberschlesien geworden, von der Heinrich Böll in seiner Rezension des Polka-Romans schrieb
»Oberschlesien ist nicht Schlesien, es ist beides nicht eindeutig: weder deutsch noch polnisch, und seine Unabhängigkeitsansprüche waren nicht weit hergeholt, wenn auch politisch hoffnungslos [...] Zerquetscht und ständig hin und her gerissen zwischen zwei anspruchsvollen, total humorlosen Nationalismen, waren’s die Leute einfach Leid, ›ständig bekennen‹ zu müssen.«
In der Person Bieneks wird die fruchtbare Mischung deutlich, die an den deutschen Sprachgrenzen und in multiethnischen Gesellschaftsstrukturen entstehen kann. Bieneks Grundthema »Sprache und Exil« liegt in seiner Biografie begründet, ein frühes Ersticken der Schreie, wie er es im Rückblick die Erfahrungen von Krieg, Flucht, DDR , sibirischem Arbeitslager und Abschiebung in die Bundesrepublik einmal nannte. Ein exemplarisches Leben und Werk entfaltet sich, wenn Oskar Ansull mit Theo Jörgensmann (Klarinette) eine Reise in Bieneks »dunkles Land«, das ihn geboren hat und in jene Zeit, die ihn aus seinem Geburtsland vertrieb, unternehmen. In einer dichten Textmontage werden Bieneks sinnliche Prosa und lyrische Texte musikalisch durchflochten.
Oskar Ansull lebt als freier Autor, Herausgeber und »Erfinder von Lesungen« in Berlin-Pankow. Bekannt wurde er vor allem für seine Leseprogramme und zahlreiche Rundfunksendungen für den NDR und Radio Bremen zu Leben und Werk deutscher Autoren. Seine Herkunft (der »unbekannte« Vater war Pole) hat ihn immer wieder literarische Bezüge im östlichen Kulturbereich finden lassen – neben Horst Bienek z. B. Johannes Bobrowski und den galizischen Schriftsteller Karl Emil Franzos. Über Franzos veröffentlichte er 2005 im Verlag des Deutschen Kulturforums östliches Europa das Lesebuch ZweiGeist.
Theo Jörgensmann gehört zur zweiten Generation der europäischen Free Jazz Musiker. Er war an der Renaissance der Jazzklarinette in den 80er Jahren beteiligt und gilt als einer der herausragenden Solisten auf diesem Instrument. Mit seinem Ende 1996 gegründeten Theo Jörgensmann Quartett spielte der gebürtige Bottroper – als einzige deutsche Formation – zweimal auf dem größten Jazzfestival der Welt, dem Montreal International Jazz Festival.
- Kategorie:
- Kultur/Medien/Musik
- Veranstalter:
- Deutsches Kulturforum östliches Europa
- Ansprechpartner:
- Thomas Schulz
- Weitere Informationen:
- www.kulturforum-ome.de
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