Berlin-Mitte
09.06.2010, 18:00
bis 20:00
Vortrag:
Die politische Polizei in Ungarn von Stalins Tod bis zum Volksaufstand 1956
Prof. Dr. György Gyarmati (Archivdirektor der ungarischen Staatssicherheitsdienste) referiert über Struktur, Arbeitsweise und Einsatz der politischen Polizei
Raum 125 im Neuen Stadthaus
Parochialstr. 3
10179
Berlin-Mitte
Berlin Brandenburg
Beschreibung:
Prof. Dr. György Gyarmati, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Pécs/Fünfkirchen und - im Range eines Staatssekretärs - Direktor des Historischen Archivs der Staatssicherheitsdienste, Budapest, stellt die politische Polizei Ungarns in ihrer Entwicklung als staatliches Unterdrückungsinstrument in der kurzen Zeit vom Tode Stalins (5. März 1953) bis zum und im ungarischen Volksaufstand 1956 anhand der Archivmaterialien der Staatssicherheitsdienste dar.
Bereits seit der Formierung im März 1946 war der aus Kommunisten, Sozialdemokraten, Teilen der Nationalen Baunernpartei und Gewerkschaften in Ungarn gebildete Linksblock bestrebt, scheibchenweise ("Salami-Taktik") die Macht den legalen Trägern der Staatsgewalt immer mehr zu entwinden, die Staatsorgane zu unterwandern und den Widerstand dagegen niederzuhalten. Vorrangiges Ziel waren das Innenministerium und die Sicherheitsorgane. Bei diesem Vorgehen verhalfen erste Erfolge, die politische Polizei alsbald zur weiteren Umsetzung dieser Ziele zur Einschüchterung, später auch Ausschaltung tatsächlicher oder vermeintlicher Gegner zu mißbrauchen; sie war ein Mittel zum Gefügigmachen durch Terror, und sie war ein Handlanger bei der Vorbereitung der Schauprozesse.
Der sich seit Rákosis Machtübernahme (1949) entwickelnde Führerkult war in Ungarn keine blinde Kopie des stalinschen Personenkults (den Rákosi für seine Person immer im Abrede stellte), sondern die kommunistisch-ungarische Konkretisierung der im linken Totalitarismus notwendigen und systemisch vorausgesetzten obersten Führungsperson. Diese mußte, um ihre eigene Machtposition zu zementieren, wie beim Vorbild in der Sowjetunion die eigene Gesellschaft in dem permanenten Zustand einer (durch Angst und Ungewißheit vor staatlicher Willkür hervorgerufenen) psychologischen und soziologischen Mobilisierung, wenn nicht gar Ausnahmesituation halten.
Rákosi, in seinen eigenen Worten "Stalins bester ungarischer Schüler", nutzte dafür die Sicherheitspolizei (ÁVO), bei deren Maßnahmen, vor allem bei der Aufdeckung der von staatlicher Seite fingierten oder einfach nur behaupteten Verschwörungen, mehrere tausend Regimegegner und unliebsame Regierungs- sowie des Abweichlertums bezichtigte kommunistische Parteimitglieder umgebracht wurden. In anderen Fällen agierte die politische Polizei als verlängerter Arm des alle Staatsmacht in seiner Hand konzentrierenden Rákosis bei der Verbringung von zu Recht oder zu Unrecht verdächtigten Personen in (Zwangs-)Arbeitslager unter Umgehung von Anklage und Gerichtsverfahren. Außerdem wurde mehr als eine Million Ungarn - also jeder zehnte, unter Außerachtlassung der Kinder und Greise mehr als jeder siebente Ungar - in einer Vorstufe mit polizeilichen, dann auch mit gerichtlichen Verfahren überzogen.
- Kategorie:
- Politik
- Veranstalter:
- Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG), Sitz Berlin
- Ansprechpartner:
- Klaus Rettel, Präsident der DUG, info(at)d-u-g.org
- E-Mail / Fax für Anmeldungen:
- Anmeldung nicht erforderlich
- Telefonnummer des Veranstalters:
- 030 - 242 45 73
- Zielgruppe:
- Historiker, Politikwissenschaftler, Hungarologen, Romanistiker
- Teilnehmerbeitrag:
- Eintritt frei
- Weitere Informationen:
- http://
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