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Berlin
25.11.2010, 19:00 bis 21:00

Podiumsdiskussion:
Ungarn im Umbruch und das Leid des Unvorhergesehenen: Vom Schrittmacher zum Krisenherd?

Prof. Dr. Stürmer und György Dalos diskutieren mit dem Autor Prof. Paul Lendvai über sein jüngstes Buch "Mein verspieltes Land"

Otto-Suhr-Saal, Neues Stadthaus
Parochialstr. 3
10179 Berlin
Berlin Brandenburg

Beschreibung:

 

"Mein verspieltes Land" vom österreichischen Publizisten und Schriftsteller Prof. Paul Lendvai: Über dieses Ende Oktober 2010 im Salzburger ecowin-Verlag erschienene politische Sachbuch des aus Ungarn stammenden und in Wien lebenden Autors (seit einigen Jahren mit Zweitwohnsitz in Budapest) diskutieren Prof. Dr. Michael STÜRMER (Historiker, Chefkolumnist und Chefkorrespondent der Zeitungen "Die Welt" und "Welt am Sonntag", Berlin) und György DALOS (ungarischer Schriftsteller, Berlin) mit dem Verfasser. In seinem Buch, welches völlig zu Unrecht von interessierten Kreisen nur auf das letzte, das lediglich 13 Seiten umfassende 14. Kapitel, reduziert wird, in dem sich Lendvai mit dem jüngsten Wahlerfolg der rechtskonservativ-nationalen Partei FIDESZ und kritisch mit deren Zielen und Bestrebungen auseinandersetzt, seziert der Autor die Entwicklungen, die Ungarn seit der Wende (auf ungarisch: seit dem Systemwechsel) vom damaligen Musterknaben und Frontmann der Reformen zu einem Krisenherd haben werden lassen.

Wo liegen die Ursachen für wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Niedergang, wo die Gründe für den scharfen, die ungarische Gesellschaft immer tiefer durchziehenden und mittlerweile hasserfüllten Riss (trotz der Zwei-Drittel-Mehrheit des FIDESZ und der mit ihm verbundenen KDNP), wo waren und sind die Auslöser für Spannungen mit den Nachbarn im Donau-Karpatenraum? Angesichts der EU-Ratspräsidentschaft, die Ungarn im ersten Halbjahr 2011 innehaben wird, bietet Lendvais Buch einen umfassenden und manches erklärenden Einblick in Geschichte und Gegenwart der Ungarn, die ab 1. Januar die Blicke der EU auf sich und damit zum dritten Male auf einen von einem ostmitteleuropäischen Land gestellten Vorsitz im Rat der Europäischen Union lenken werden.

Lendvai als einer der renommiertesten Osteuropaexperten der Gegenwart schrieb 1999 (in seinem - auch in Ungarn - vielgelobten Buch "Die Ungarn"): "Es gibt kaum eine Nation, deren Bild im Laufe der Jahrhunderte und Epochen von so vielen und einander dermaßen widersprechenden Klischees umwoben ist wie das der Magyaren". Waren es nur Klischees, als neben Polens Beitrag vor allem Ungarn dafür gelobt wurde, in einem welthistorischen Moment das Tor für die Ostmitteleuropäer Richtung Westeuropa aufgestoßen und die Vereinigung Deutschlands sowie diejenige Europas in die Wege geleitet zu haben? Waren es nur Klischees, als Ungarn in den Jahren zuvor der Schrittmacher für die Wirtschaftsreformen im damaligen COMECON genannt wurde? Waren es Klischees, als Ungarn in der damaligen realsozialistischen Herrschaft sowjetischer Prägung immer etwas westlicher, immer etwas weltoffener und immer etwas mit mehr kleinen Freiheiten ausgestattet schien? Und ist es jetzt wieder ein Klischee, wenn Ungarn nicht zuletzt auf Grund des Erbes achtjähriger sozialistisch-liberaler MSzP-SzDSz-Politik und globaler Wirtschafts- und Finanzkrisen als "der kranke Mann an Theiß und Donau" apostrophiert wird? Welche früheren Entwicklungen haben zu diesem Befund geführt? Und wohin werden sich die Ungarn als die "Sieger in den Niederlagen" ihrer eintausendjährigen Geschichte auf europäischem Boden nunmehr wenden?

Unter dem Titel "Ungarn im Umbruch und das Leid des Unvorhergesehenen: Vom Schrittmacher zum Krisenherd?" wird die Gesprächsrunde nach Antworten in Ungarns Vergangenheit und Gegenwart suchen. Dabei wird sie auch die von manchen als beunruhigend empfundenen Weichenstellungen der neuen Regierung und den von anderen wiederum als den "wahren Systemwechsel nach der erfolgreichen Revolution an den Urnen" gefeierten Umbruch beleuchten.

Bitte beachten Sie die ausnahmsweise für eine unserer Veranstaltungen erbetene Anmeldung bis 24. November 2010, 13.00 Uhr, unter [info(at)d-u-g.org] oder postalisch unter DUG, PF 31 11 24, 10641 Berlin.

Wir freuen uns auf viele Interessierte an dieser Veranstaltung der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft e. V. (Berlin) in Zusammenarbeit mit der Südosteuropa-Gesellschaft (SOG, München), Zweigstelle Berlin, vertreten durch deren Leiter Prof. Dr. Christian VOSS (Humboldt-Universität), und danken dem ecowin-Verlag für seine Unterstützung.

 

Kategorie:
Politik
Veranstalter:
Deutsch-Ungarische Gesellschaft e.V. (DUG) und Südosteuropa-Gesellschaft (SOG), Zweigstelle Berlin
Ansprechpartner:
Klaus Rettel, DUG-Präsident
Anmeldung bis:
24.11.2010, 13.00 Uhr
E-Mail / Fax für Anmeldungen:
info(at)d-u-g.org
Telefonnummer des Veranstalters:
030-2424573
Zielgruppe:
Politologen, Hungarologen, Osteuropawissenschaftler
Teilnehmerbeitrag:
Eintritt frei!
Weitere Informationen:
www.d-u-g.org

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