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Berlin
13.09.2010, 17:00 bis 19:00

Vortrag:
Ungarns Stellung im Habsburger Reich des 18. Jahrhunderts

Prof. Dr. László Marjanucz (Szeged) untersucht die sich widersprechenden Interessen Ungarns und Habsburgs

Humbdoldt Universität, Hauptgebäude, Raum 2093a
Unter den Linden 6
10117 Berlin
Berlin Brandenburg

Beschreibung:

 

Prof. Dr. László Marjanucz (Leiter des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte, Historisches Institut der Philosophischen Fakultät, Universität Szeged) beleuchtet die Zeit der absolutistischen Herrschaftsausübung des Wiener Hofes über Ungarn nach dem Rückzug der Osmanen (Friede von Karlowitz, 1699, sowie Friede von Passarowitz, 1718), beginnend 1703 mit dem Aufstand ("Freiheitskampf") des Fürsten Ferenc II. Rákóczi gegen Habsburg unter Karl III. bis zum Frieden von Sathmar (1711) - wobei der Kampf auch religiöse Aspekte hatte, um sich der vom Wiener Hof betriebenen Re-Katholisierung Ungarns und Siebenbürgens widersetzen zu können, und selbst als Bürgerkrieg zu bezeichnen ist.

Denn im Frieden von Karlowitz war das zum ungarischen Königreich gehörende Land an die Habsburger abgetreten, nicht den Ungarn zurückgegeben worden. Letztgenannte verfolgten deshalb die Wiederbegründung des ungarischen Königreiches als eines territorial wiederherzustellenden, unabhängigen und selbständigen Völkerrechtssubjekts, während der Wiener Hof seine Kriege gegen die Osmanen (die "Befreiung Ungarns") als "Eroberungskriege" sah; nach seiner Auffassung konnte Ungarn nur als ein abhängiges Königtum bestehen.

Prof. Marjanucz wird bei der von Habsburg letztlich durchgesetzten (und bis zur Revolution von 1848 haltenden) Auffassung auch untersuchen, wie die sich gegen eine Lossagung von Habsburg wehrenden ungarischen Stände - vor allem die am Absatz ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse interessierten Großgrundbesitzer - die Erhaltung ihrer ständischen Vorrechte, insbesondere ihres Grundbesitzes und der Ausübung der Leibeigenschaft, für wichtiger ansahen als die Befreiung des Landes von der Habsburger Vorherrschaft.

Mit ihrem gegen Habsburg gerichteten Verhalten wollten sie die von Wien betriebene Modernisierung eingrenzen und nur mitmachen, sofern es jeweils in ihrem persönlichen Interesse lag, letztlich aber vorrangig jede Veränderung ihres mittelalterlichen Privilegiensystems verhindern. Der innerungarische Stillstand wurde im Vergleich mit dem früher eigenständigen Siebenbürgen deutlich, das nunmehr der Habsburger Kaiserkrone direkt unterstellt war; der Wiener Hof konnte also selbst Ausmaß und Tempo der Reformen bestimmen, was Siebenbürgen einen großen Innovationsschub verschaffte.

Der überfällige Interessenausgleich im ungarischen Kernland gelang erst viel später: unter der (ungarischen) Königin/(Habsburger) Kaiserin Maria Theresia und dem (ungarischen) König/(Habsburger) Kaiser Joseph II., nachdem diese den ungarischen Ständen ihre alten Rechte bestätigt hatten. Dieses Nachgeben war für die Habsburger das kleinere Übel, waren sie doch nach Abzug der Osmanen durch die Übernahme Ungarns und die Landgewinne auf dem Balkan zu einem der bedeutenden und von den übrigen etablierten europäischen Mächten anerkannten Machtfaktor aufgestiegen. Diesen Rang unbeschadet von ungarischen Querelen, aber mit dem Wunsch, ihn zu festigen und auszubauen, wahrnehmen zu können, prägte fortan die nach innen gemäßigtere, kompromißbereitere Politik des habsburgischen Absolutismus.

Der Vortrag von Prof. Marjanucz wird eingeleitet und moderiert von Prof. Dr. Günter Schödl (Institut für Geschichte an der Humboldt-Universität), mit dem zusammen diese Veranstaltung durchgeführt wird.

 

Kategorie:
Wissenschaft
Veranstalter:
Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG), Sitz Berlin
Ansprechpartner:
Klaus Rettel, Präsident, info(at)d-u-g.org
Telefonnummer des Veranstalters:
030 - 242 45 73
Zielgruppe:
Historiker, Politikwissenschaftler, Hungarologen
Teilnehmerbeitrag:
Eintritt frei!
Weitere Informationen:
www.d-u-g.org

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