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Berlin
30.09.2010, 18:00 bis 20:00

Vortrag:
Zwischen Kosovo und Ungarn - die Serben in Ungarn nach der großen Wanderung (1690-1720)

Dr. Norbert Spannenberger untersucht die schon nach der Amselfeldschlacht (1389) begonnene Flucht der Serben vor den Osmanen und ihre Niederlassung in Ungarn

Raum 226, Neues Stadthaus
Parochialstr. 3
10179 Berlin
Berlin Brandenburg

Beschreibung:

 

Bereits nach der gegen die Osmanen verlorenen (ersten) Schlacht auf dem Amselfeld (1389) begann die nach Norden gerichtete Flucht der griechisch-orthodoxen Serben vor der osmanischen Besetzung des Balkans. Die Fluchtbewegung hielt in unterschiedlicher Intensität über die folgenden Jahrhundert an und gipfelte in der "großen Wanderung" in den Jahren 1690 bis 1720 (parallel mit der Zurückdrängung der Osmanen nach ihrer fehlgeschlagenen Eroberung Wiens 1683 und der Rückeroberung des osmanisch besetzten Ungarns und des nördlichen Balkans durch die Truppen der Heiligen Liga - besiegelt in den Friedensschlüssen von Karlowitz 1699 und Passarowitz 1718). - - Zur bekanntesten serbischen Auswanderungswelle kam es 1690/91 unter dem Patriarchen Arsenije III. Čarnojević (geb. um 1633 bei der montenegrinischen Königsstad Cetinje; gest. am 27. Oktober 1706 in Wien) aus dem serbischen Kerngebiet des (altserbischen, heute kosovarischen) Amselfeldes (Peć) sowie aus (süd-)bosnischen Gebieten. Hintergrund war, daß die Habsburger Truppen bei der Rückeroberung des Balkans zwar den sich zurückziehenden osmanischen Einheiten nachsetzten, aber ihre Gebietsgewinne nicht dauerhaft sichern konnten und sich deshalb nach Norden über die Save zurückzogen; damit war die ortsansässige Bevölkerung südlich der Save schutzlos den osmanischen Repressalien ausgesetzt. Denn die Serben hatten sich - nicht ohne erheblichen Druck der Habsburger auf Arsenije nach der Eroberung von Peć - den Habsburgern als Alliierte verpflichtet und stellten etwa 20.000 Mann; allerdings wurde das gemeinsame Heer im Winter 1689 von den Osmanen bei Skopje geschlagen. Arsenije begann daraufhin seinerseits, sich mit 90.000 Gefolgsleuten Richtung Norden zurückzubewegen, und erzielte im Juli 1690 in Belgrad die Bereitschaft der Serben, weiterhin als Alliierte an der Seite Habsburgs zu kämpfen (gegen Zusicherung der Religionsfreiheit und Aufhebung der Leibeigenschaft); diese und andere Privilegien (u. a. innere Autonomie, Steuer- und Zollbegünstigungen) gewährte der Habsburger Kaiser Leopold I. in seinem Edikt vom 21. August 1690 ausdrücklich gegen die Verpflichtung zum Wiederaufbau der kriegsverwüsteten Gebiete zu, so daß die Serben unter Arsenijes Führung die osmanenbefreiten Gebiete des südlichen Ungarns (Wojwodina) besiedelten, sich als Grenzsicherungstruppen dort und an der Militärgrenze Kroatiens (damals in Personalunion mit dem ungarischen Königtum verbunden) verdingten und im übrigen auch Siedlungen im ungarischen Kernland gründeten (so wurde z. B. das nahe Budapest gelegene Szentendre/dt. St. Andreas/serb. Sentandreja von 6.000 exilierten Serben übernommen, denen sich bald weitere Flüchtlinge aus den dalmatinischen Küstenregionen, aus Bosnien und aus Griechenland anschlossen). Ihre Hoffnung auf die - nicht zuletzt bei den Ungarn erwünschte - Rückkehr in die Heimatregionen wurde durch den Frieden von Karlowitz zerstört, als ihre Herkunftsgebiete dauerhaft der osmanischen Vorherrschaft überantwortet wurden. - - So bekannt auch diese Entwicklung ist, so unterlag dieses Kapitel serbisch-ungarischer Beziehungen doch erheblichen Fehldeutungen. Nach ungarischem Verständnis begann damit eine Entwicklung, die in den Augen der Ungarn zu separatistischen Bestrebungen der Serben führte, weshalb eine Integration der Serben in Ungarn stets abgelehnt wurde. Das Bild des "unbändigen" und "gewalttätigen Raitzen" (Name abgeleitet vom Fluß Rasca bzw. vom balkanischen Volk der Rascier, einem kleinen selbständigen Königtum zwischen Morava, Donau, Sau und Drin, welches im 14. Jahrhundert von den Osmanen unterjocht wurde) wird bis zur heutigen Zeit in Ungarn auf deren vermeintliche Einwanderung nach der Osmanenherrschaft zurückgeführt.

Doch woher kommt diese Deutung, und läßt sie sich im Spiegel historischer Quellen bestätigen? In seinem Vortrag will Dr. Norbert SPANNENBERGER (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GWZO an der Universität Leipzig; Vizepräsident der DUG) Klischees und Stereotypen in diesem Kontext hinterfragen und alternative Erklärungen liefern.

 

Kategorie:
Wissenschaft
Veranstalter:
Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG), Sitz Berlin
Ansprechpartner:
Klaus Rettel, Präsident
Anmeldung bis:
entf.
E-Mail / Fax für Anmeldungen:
entf.
Telefonnummer des Veranstalters:
242 45 73
Zielgruppe:
Historiker, Hungarologen, "Balkanologen"
Teilnehmerbeitrag:
keiner
Weitere Informationen:
www.d-u-g.org

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