Regensburg
Fr. 04.03.2011, 09:00 bis 12:30
Tagung/Konferenz
Symposion des Wissenschaftlichen Beirats der Südosteuropa-Gesellschaft
Öffentliche Veranstaltung. Teilnahme nur mit Anmeldung
Wissenschaftszentrum Ost- und Südosteuropa
Landshuter Straße 4 (Raum 319, 3. Stock)
93047 Regensburg
Bayern
Beschreibung:
Das aktuelle Kunstgeschehen in Südosteuropa ist im Westen nahezu unbekannt - präsent sind lediglich die künstlerisch zweifellos unnachahmlichen Filme von Emir Kusturica, die mit absurder Komik und Roma-Musik folkloristisch gefärbte Bilder des Balkans präsentieren, aber auf diese Weise eigentlich nur Stereotype und Vorurteile in der Rezeption dieser Region bestätigen und schüren. Nahezu unbekannt ist demgegenüber das reiche Filmschaffen in der Region, das sich mit den realen Lebenserfahrungen und Problemlagen der Gegenwart auseinandersetzt.
Ähnlich verhält es sich mit der gegenwärtigen Musik- und Kunstproduktion in den Ländern Südosteuropas: Im Westen präsent und beliebt ist im Musikbereich der ex-jugoslawische Rockstar und Filmmusikkomponist Goran Bregović, der bei seinen Auftritten mit vierzig Musikern, einer Gypsy-Brass-Band, den Bulgarian Voices oder dem St. George String Orchester stürmisch gefeiert wird, während seine serbischen Kollegen ihm und Kusturica vorwerfen, Europa mit Balkan-Klischees zu füttern. Sie sind verbittert darüber, dass heute nur noch jene Bands Exportchancen haben, die ihre Musik mit ethnischen Einflüssen dekorieren. Roma-Musiker, etwa Olah Vince in Novi Sad, kritisieren, dass Bregović überhaupt nie mit Roma-Musikern gespielt habe, obwohl er dies immer wieder behauptete. „Jetzt klaut er unsere Musik und verdient im Ausland viel Geld mit ihr“, ärgert er sich. „Wir hingegen dürfen als Musiker höchstens mal in Restaurants dienen.“
Die Befreiung vom Sozialismus ging in den südosteuropäischen Ländern Hand in Hand mit einer neuen Freiheit, die in der Kultur und in den Medien häufig dazu genutzt wurde, ethnisch definierte, nationale Identitäten zu schaffen. Der öffentliche Raum wurde mit grellen Plakatwänden tapeziert, die globale Markennamen in einer Intensität wie nirgendwo sonst hinausschrieen. Das Ergebnis war ein eskalierendes Stil-Potpourri. Zugleich entwickelte sich auch eine junge und frische avantgardistische Kunstszene, die zumeist subversiv war und sich gegen die Diktate ihrer Regierungen und die Zensur durch deren Kulturpolitik richtete: Rockmusik und andere musikalische sowie künstlerische Experimentier-Stile. Avantgardistische Künstler der Gegenwart sind auf das internationale Kunstgeschehen ausgerichtet und suchen internationale Vernetzung, zugleich jedoch reagieren sie auch sehr stark auf die gesellschaftlichen und politischen Situationen ihrer Länder. Häufig haben sie Probleme: In der Vergangenheit waren die heimische Film-, TV-, Musik- und Verlagsbranche gut entwickelt, während sich heute die Möglichkeiten mit der Öffnung zur globalen Marktwirtschaft verringert haben. Auch die früher relativ einfache Mittelbeschaffung für Kulturprojekte ist schwieriger geworden. Viele künstlerische Talente sind deshalb ins Ausland abgewandert. In diesem Kontext war es schwieriger, eine selbstbewusste Kultur zu schaffen, die Globales aufnimmt, aber den südosteuropäischen Wurzeln treu bleibt.
Im Rahmen des Symposiums des Wissenschaftlichen Beirates sollen exemplarisch die drei wichtigsten Bereiche der Gegenwartskunst in Südosteuropa vorgestellt werden, Musik, Film und darstellende Kunst. Dabei soll der Spagat zwischen der Verhaftung im traditionellen, südosteuropäischen Umfeld und der Beeinflussung durch westliche Elemente deutlich gemacht werden.
| Kategorie | Kultur/Medien/Musik |
| Veranstalter | Südosteuropa-Gesellschaft |
| Anmeldung bis | 01.03.2011 |
| Telefonnummer des Veranstalters | 089 2121540 |
| E-Mail für Anmeldungen | info(at)suedosteuropa-gesellschaft.com |
| Ansprechpartner | Frau Hoffmann |
| Teilnehmerbeitrag | frei |
| Weitere Informationen |
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