Saarbrücken
Mi. 04.11.2009, 08:30 bis 20:00
Studienfahrt
Das Königreich der Vandalen – die Erben des Imperiums in Nordafrika
Besuch im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe
Abfahrt ab Beethovenplatz
-
66111 Saarbrücken
Saarland
Beschreibung:
Dass die Vandalen gehaust haben wie solche, ist eine übel wollende Geschichtsfälschung! Freilich gingen die Vandalen, die der nach katholischer Lehrmeinung abtrünnigen und ketzerischen Glaubensrichtung der Arianer angehörten, mit ihren späteren Geschichtsschreibern, den katholischen Mönchen, nicht eben zimperlich um und besetzten auch recht willkürlich kirchliches und anderes Eigentum, aber sie hausten eben doch recht zivilisiert. Und sie bauten in Nordafrika ein vom römischen Kaiser Valentinian III. anerkanntes Königreich auf mit beachtlichen kulturellen Leistungen. Aber sie waren auch ein Kriegervolk und lernten schnell, mit ihrer Kriegs- und Handelsflotte das westliche Mittelmeer bis Sizilien zu beherrschen. Bis in dieÄgäis sind ihre Kriegszüge nachgewiesen.
Das germanische Volk stammte aus dem Wartheland, wurde während der Völkerwanderung um 200 n. Chr. von den Goten verdrängt und wich nach Ungarn und Siebenbürgen aus. Weiter von den Goten bedrängt, siedeln sie zunächst am Plattensee und im Burgenland bis um 350 n. Chr., dann ziehen sie nördlich der Alpen westwärts und verbünden sich mit Quaden, Alanen, Sueben und Alamannen. Im Jahre 406 überschreiten sie bei Mainz den Rhein, nachdem der römische Statthalter Stilicho seine Truppen von dort zurückgezogen hat.
Mit ihrem König Gunderich zieht das Volk durch Gallien bis nach Spanien und errichtet, inzwischen mit den Alanen verbrüdert, dort (422 n. Chr.) in (V-)Andalusien ein Königreich. Ab 428 herrscht fast 50 Jahre der König Geiserich über das Wandervolk und setzt in einer unglaublichen technischen Leistung sein gesamtes Volk nach Nordafrika über. 430, im Todesjahr des Kirchenvaters Augustinus, haben sich die Vandalen in Hippo Regius und Tunis eingerichtet und werden vom römischen Kaiser als Bundesgenossen (foederati) anerkannt.
Sie erobern 439 Karthago und machen die riesige Ruinenstätte zu ihrer Hauptstadt. In einer Folge von politischen und religiösen Intrigen zerbricht das Bündnis jedoch und es kommt zum Krieg zwischen Rom und den Vandalen, in dessen Verlauf König Geiserich 455 Rom erobert und plündert. 476 endet formlos das römische (West-) Reich.
Ostrom – Byzanz – Konstantinopel erbt die Herrschaft, gerät mit den ketzerischen Vandalen in einen Krieg und innerhalb von 60 Jahren und 5 Könige später wird das vandalische Reich von einer Allianz aus Mauren und dem oströmischen Heer unter dem Feldherrn Belizar besiegt und faktisch ausgelöscht.
Die Vandalen haben wunderbare Kunstwerke hinterlassen: Mosaike, Sarkophage, Statuen, Opfergaben, Schmuck, Waffen und Alltagsgerät von hohem Anspruch. Diese Dinge sind erstmals als Leihgabe des staatl. Museums von Tunesien in Deutschland zu sehen, einschließlich einer umfassenden historiographischen Darstellung dieses Volkes.
Reiseleitung: Ulrich Andres
Diesen Termin in meinen Kalender importieren