Oldenburg

Mo. 31.03.2008, 09:00 bis Di. 01.04.2008, 17:00

Tagung/Konferenz

Ethnologische Nahrungsforschung im östlichen Europa

BKGE
Johann-Justus-Weg 147a
26127 Oldenburg
Niedersachsen

Beschreibung:

 

Auf der Tagung im Bundesinstitut in Oldenburg, die gemeinsam mit der Fachkommission Volkskunde des J.G. Herder-Forschungsrats veranstaltet wird, werden Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen die Esskultur der Deutschen und ihrer Nachbarn in und aus dem östlichen Europa unter verschiedenen Aspekten analysieren und beschreiben. Übergreifende Aspekte sind dabei Fragen des kulturellen Wandels und der Transformation, der Regionalisierung und Ethnisierung sowie der Interkulturalität und der Erinnerungskultur.

War in den Ländern des östlichen Europa die gesamte Alltagskultur, und damit auch die Nahrung, über Jahrzehnte hinweg massiv durch das System des Sozialismus und damit durch eine permanente Mangelwirtschaft geprägt, so brachte die Wende von 1989 gerade auch in diesem Bereich einen Wandel, der in seiner Tiefe beispiellos ist. In kürzester Zeit wurden ganze Gesellschaften einbezogen in die freie Markt- und Konsumwirtschaft und damit in die dynamischen Prozesse der Globalisierung und der "Europäisierung". Wurden in den ersten Jahren ganze Bereiche der autochthonen Nahrungsmittelproduktion vom westlichen Nahrungsangebot weitestgehend verdrängt, so zeigten sich nach einiger Zeit im ganzen östlichen Europa gerade in der Nahrung gegenläufige Prozesse der Regionalisierung und Ethnisierung, wurde Nahrung zum Mittel der nationalen, regionalen oder ethnischen Identifikation - und seit dem EU-Beitritt auch der symbolischen Absetzung von "Europa".

 

Zu fragen ist also, welchen Stellenwert Essen und Trinken zum einen in den Gesellschaften des östlichen Europa und zum andern bei den Flüchtlingen, Vertriebenen, Spätaussiedlern und auch bei den neuen Migranten aus dem östlichen Europa heute hat. Welchen Stellenwert im kulturellen System hat die eigene Küche? Spielen stereotype Vorstellungen über nationale und regionale Küchen im Alltag und in der Werbung eine Rolle, welche Funktion hat die Ethnisiserung der Speisen? Sind Transformationen des kulinarischen Erbes zu beobachten und welche Mechanismen der Integration bzw. Segregation sind beim Essverhalten von Migranten zu beobachten? Wie ist die Nahrung angesichts des rapiden Wandels als Zeichensystem und als Indikator für gesellschaftliche Zustände zu entschlüsseln angesichts der Tatsache, dass sie sowohl Ausdruck sozialer Verhältnisse als auch als Mittel der Identifikation und Segregation ist?

 

KategorieWissenschaft
VeranstalterBundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Fachkommission Volkskunde des Johann-Gottfried-Herder-Stiftungsrats
Telefonnummer des Veranstalters0441 961950
E-Mail für Anmeldungen muens(at)uni-oldenburg.de
AnsprechpartnerDr. Heike Müns
Weitere Informationen

 

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