Chemnitz
Mi. 12.11.2025, 19:00 bis 21:00
Podiumsdiskussion
Wo ist Heimat? Was ist Herkunft?
Polen und Deutsche im Zwiespalt mit Heimatverlusten in Ostpreußen, Litauen oder dem Baltikum
SLpB-Projektbüro Chemnitz
Brückenstraße 10
09111 Chemnitz
Sachsen
Beschreibung:
Heimat ist ein großes Thema, für Deutsche wie für Polen. Kontrovers wird es dann, wenn damit Regionen in Polen bezeichnet werden, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Deutschen bewohnt wurden. Lange Zeit sorgten sich Menschen in Polen, dass die einstigen Bewohner Ansprüche auf diese Teile des Landes erheben könnten. Dies bezog sich vor allem auf die Rhetorik westdeutscher Vertriebenenverbände, die in der Propaganda der Volksrepublik Polen aufgenommen und instrumentalisiert wurde. In Ostdeutschland wurde das Thema im Wesentlichen verschwiegen. In seinem aktuellen Roman „Das Narrenschiff“ schildert Christoph Hein, dass aber auch im SED-Regime Begehrlichkeiten in Bezug auf Schlesien existierten, derer man Westdeutschland propagandistisch bezichtigte.
Zahlreiche Neuerscheinungen in Polen beschäftigen sich mit diesem Thema. Die Autorinnen und Autoren weiten den Blick, indem sie Heimatverluste jener Polen thematisieren, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den polnischen Ostgebieten fliehen mussten, die Teil der Sowjetunion wurden. Sie liegen heute in Litauen, Belarus, und der Ukraine. Ihr Erleben wurde nach 1945 zum Tabu und konnte erst nach der Wende 1989/1990 thematisiert und aufgearbeitet werden.
Wir wollen über einen ausgewogenen Umgang mit dem Thema sprechen, mit Blick auf die gemeinsame Zukunft im Verbund mit Europa und der Europäischen Union.
Unsere Gesprächsgäste sind:
Kornelia Kurowska. Die Wurzeln ihrer Familie liegen in den polnischen Ostgebieten. Sie leitet die Kulturgemeinschaft „Borussia“ in Olsztyn/Allenstein, eine NGO, die kurz nach der Wende in der Region Ermland-Masuren, im alten Ostpreußen entstanden ist, wo sich Menschenschicksale von Deutschen und Polen kreuzen. Die Basisinitiative postulierte Entwicklung regionaler Identität unter neuen Bewohnern und initiierte einen internationalen Dialog mit alten und neuen europäischen Nachbarn. Zum Paradebeispiel deren Tätigkeit wurde der Erhalt und Sanierung des historischen Tahara-Hauses von Erich Mendelsohn in Olsztyn. Nach wie vor ist ihr Leitgedanke kulturelles Wirken, das Menschen in der Gegenwart zusammenbringt. Heute füllt Borussia die aufwändig renovierten Räumlichkeiten regelmäßig mit einem interessierten Publikum, das sich genau solchen Fragen widmet. Der Fokus liegt hier auf Menschen polnischer Herkunft, die aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten fliehen mussten. Sie sind nach dem Krieg in die Häuser eingezogen, die die Deutschen zurückgelassen hatten, die ihrerseits aus Ostpreußen geflohen sind.
Agata Kern ist gebürtig aus Sztynort (Steinort) in Masuren, arbeitet als Kulturreferentin am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg. Das Thema der Veranstaltung ist für sie nicht nur beruflich, sondern auch persönlich von großer Bedeutung – ihre Großeltern stammten ebenfalls aus den ehemals polnischen Ostgebieten und kamen 1946 nach Masuren. Mit ihren Projekten – von Veranstaltungen über Schulprogramme bis hin zu Studienreisen nach Polen und ins Baltikum – möchte sie Begegnungen ermöglichen und Raum für offene, ausgewogene Diskussionen schaffen. Angesichts populistischer Tendenzen, die die trennenden Aspekte der deutsch-polnischen Beziehungen betonen, ist ein solches Engagement heute herausfordernder – und zugleich umso notwendiger.
Bernd Karwen ist Nachkomme von Deutschen, die aus Ostpreußen geflohen sind. Er hat Polen bereits als Kind während des Kalten Krieges bereist und später Sprache wie die Literatur des Landes studiert. Heute engagiert er sich im Polnischen Institut Berlin - Filiale Leipzig für kulturellen Dialog zwischen den beiden Ländern. Dank seiner Erfahrungen, wird er das Gespräch um den Fokus auf den sächsisch-polnischen Kulturaustausch bereichern.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe "Europa braucht Dialog!" statt.
| Kategorie | Politik |
| Veranstalter | Sächsische Landeszentrale für politische Bildung |
| Ansprechpartner | Frau Dr. Christine von Brühl |
| Teilnehmerbeitrag | kostenlos |
| Weitere Informationen |
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