Königswinter-Heisterbach

Fr. 09.03.2012, 18:00 bis 20:00

Vortrag

Das Einrichtungswerk der Heinrichauer Zisterzienser in der west-ungarischen Abtei Zirc nach den Türkenkriegen: Schlesischer Kapital- und Technologietransfer nach Ungarn

Der Historiker Dr. Norbert SPANNENBERGER, Universität Leipzig, untersucht besondere Aspekte einer langen deutschen Besiedlungsgeschichte in Ungarn

Haus Schlesien, Eichendorff-Saal
Dollendorer Str. 412
53639 Königswinter-Heisterbach
Nordrhein-Westfalen

Beschreibung:

 

Mit seinem von Lichtbildprojektionen begleiteten Vortrag im Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbach geht PD Dr. Norbert SPANNENBERGER auf einen meist übersehenen Aspekt in der Geschichte der deutschen Kolonisten in Ungarn ein; nicht nur vom ungarischen König erstmals im 13. Jahrhundert als Siedler ins Land gerufen, später vom Habsburger Kaiser und von den ungarischen Magnaten zur Kolonisierung des Landes der ungarischen Krone zielgerichtet angesiedelt, gab es auch die aus eigenem Antrieb von deutschen Klöstern geleistete Unterstützung für Aufbauwerke in Ungarn, die weithin unbekannt, aber durchaus eine Erfolgsgeschichte sind. Vor diesem Hintergrund befaßt sich Dr. Spannenberger beispielhaft mit der Initiative der Zisterzienser aus dem schlesischen Heinrichau nach der Beendigung der 150 Jahre währenden osmanischen Besatzung Ungarns im westungarischen Zirc.

Das 1222/27 vom Breslauer Domherren Nikolaus mit Genehmigung seines Landesherren Herzog Heinrich I. gegründete niederschlesische Zisterzienserkloster Heinrichau (polnisch seit 1945: Henryków) erlebte bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges vielfach Aufstieg und Niedergang. Ebenso wechselhaft wie seine politische Zugehörigkeit (Herzogtum Breslau, Herzogtum Schweidnitz, Herzogtum Münsterberg, ab 1336 böhmische Krone, Preußen nach dem Ersten Schlesischen Krieg) waren die Bedrohungen: Mongolensturm (1241), Hussitenkrieg (1419-1434), Dreißigjähriger Krieg (1618-1648). Nach der Zerstörung 1632 wurde zehn Jahre später ein Neuanfang gewagt, der innerhalb von 40 Jahren nicht nur vom Erfolg gekrönt war, sondern anschließend auch eine atemberaubende Expansion im Ausland ermöglichte. 1699 erwarb Heinrichau von der österreichischen Abtei Lilienfeld das Recht auf Zirc (latein. Zircium; dt. Sirtz), das von den Osmanen besetzt und dem Erdboden gleichgemacht worden war. Eine intensive Kolonisation mit der Ansiedlung von Deutschen aus Schlesien (ab 1702 beginnend in Zirc bis 1718 in Olaszfalu und Tosókberend) ging einher mit der Kultivierung des Landes unter den schlesischen Grauen Mönchen (Zisterziensern), die aus Zirc eine Musterwirtschaft im Königreich Ungarn machten. Der Vortrag zeigt Aspekte dieser Beziehungsgeschichte zwischen dem Kloster an der Ohle und der Abtei im westungarischen Schild-(Vertés-)gebirge von 1699 bis etwa 1810.

Zur Person des Referenten: PD Dr. Norbert SPANNENBERGER, Historiker, ist seit 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Leipzig, seit zwei Jahren an deren GWZ (Geisteswissenschaftlichem Zentrum), und zwar am Lehrstuhl für ost- und südosteuropäische Geschichte, wo er sich Ende 2011 habilitierte. Er ist der für Geschichte zuständige Vizepräsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft e. V. (DUG) zu Berlin.

 

KategorieWissenschaft
VeranstalterDeutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. (DUG), Berlin / Haus Schlesien, Heisterbach
Anmeldung bisAnmeldung nicht erforderlich
Telefonnummer des Veranstalters030-242 45 73 / 0244-886 232
ZielgruppeHistoriker, Mitteleuropa-Interessierte, Hungarologen
AnsprechpartnerKlaus RETTEL (DUG) / Nicola REMIG (Haus Schlesien)
TeilnehmerbeitragEintritt frei!

 

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