Bonn
Mo. 07.11.2011, 18:00 bis 21:00
Vortrag
Der Zweite Wiener Schiedsspruch
Der Historiker Dr. TRAŞCĂ untersucht die Vorgeschichte und Hintergründe und die Auswirkungen auf das Dreiecksverhältnis Deutsches Reich - Ungarn - Rumänien
Vortragsraum in der Deutschen Welle
Kurt Schumacher Str. 3
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen
Beschreibung:
Am 30. August 1940 wurde im Palais Belvedere in Wien der deutsch-italienische Schiedsspruch in der rumänisch-ungarischen territorialen Auseinandersetzung um Siebenbürgen verkündet. Diese Entscheidung, bekannt als der Zweite Wiener Schiedsspruch, verpflichtete Rumänien, den Nordwesten Siebenbürgens an Ungarn abzutreten, ein Gebiet, das Rumänien zusammen mit dem übrigen Siebenbürgen (und anderen ehemals ungarischen Landesteilen) erst im Vertrag von Trianon (4. Juni 1920) zugesprochen erhalten hatte. Die von den beiden "Schiedsrichtern", dem Deutschen Reich und Italien, in Wien gefundene Lösung berücksichtigte weder die demographischen noch die wirtschaftlichen Besonderheiten des umstrittenen Gebietes und konnte so keine der beiden Parteien zufriedenstellen. Schlimmer noch, die Entscheidung hatte für Ungarn die Konsequenz, als Gegenleistung an der Seite des Deutschen Reiches in den Zweiten Weltkrieg eintreten zu müssen und dies zusammen mit dem zuvor gedemütigten Rumänien, welches sich ebenfalls der deutsch-ungarischen Allianz aus Furcht, andernfalls auch das restliche Siebenbürgen an Ungarn zu verlieren, notgedrungen anschloß. Letztlich beutete Hitler in skrupelloser Weise zum ausschließlich eigenen Nutzen bei der Verfolgung seiner Kriegsziele (Angriff auf die Sowjetunion an deren Südwestgrenze, unterstützt von ungarischen und rumänischen Verbänden und flankiert durch Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion Ungarns für das Deutsche Reich und durch Vereinnahmung der Erdölproduktion Rumäniens für die energiehungrige deutsche Wehrmacht) die völlige Eindimensionalität der Politik beider Kontrahenten aus: hier der ausschließliche politische Primat der Ungarn, die durch den Friedensvertrag von Trianon verlorenen Territorien - koste es, was es wolle - wiederzubekommen (der Erste Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 hatte Ungarn bereits Teile der an die Tschechoslowakei und an die Ukraine verlorenen Gebiete zurückgebracht), dort die ebenso einseitige politische Zielsetzung der Rumänen, jegliche Rückgabe der durch den Trianon-Vertrag erlangten Gebiete mit allen Mitteln zu verhindern und erst recht die vom Zweiten Wiener Schiedsspruch verfügten Gebietsverluste rückgängig zu machen. Diese diametral entgegengesetzten Ziele der Ungarn und der Rumänen machten beide Regierungen zum Spielball der hitlerischen Schaukelpolitik – und ließen Hitler im Hinblick auf seine eroberungspolitischen Ziele zum einzigen, wenn auch nur vorübergehenden Gewinner in diesem Spiel werden.
Der Referent Dr. Ottmar TRAŞCĂ ist Historiker und Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Rumänischen Akademie der Wissenschaften, Außenstelle Cluj/Kolozsvár/Klausenburg, und Dozent am Fachbereich für Geschichtswissenschaften und Philosophie an der dortigen Babeş-Bolyai-Universität. Er arbeitet insbesondere als Militärhistoriker, daneben auch zur Holocaust-Forschung, zum Verhältnis des Deutschen Reiches zu Ungarn und zu Rumänien, zum Verhältnis zwischen Ungarn und Rumänien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit der Herausgabe mehrerer Quelleneditionen zum Zweiten Weltkrieg hat er sich in Rumänien einen vielbeachteten Namen gemacht.
Der Referent hält seinen Vortrag auf deutsch; anschließend steht er für die Diskussion zur Verfügung.
| Kategorie | Politik |
| Veranstalter | Deutsch-Ungarische Gesellschaft e. V. in Kooperation mit Zweigstelle Bonn-Köln der Südosteuropa-Gesellschaft e. V. |
| Telefonnummer des Veranstalters | 030 - 242 45 73 |
| Zielgruppe | Historiker, Hungarologen, Romanologen, Politologen |
| Ansprechpartner | Klaus RETTEL, info@d-u-g.org |
| Teilnehmerbeitrag | Eintritt frei! |
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